Montag, 27. Oktober 2014

Die Lütticher Straße | 5. Teil | Bei Mimi

Es war einmal ...
 

In der Lütticher Straße 33a gab es mal eine Gaststätte mit dem Namen ´Restaurant Jakobshöhe´, welches von einer Maria Hissel eröffnet und geführt worden war.

Von den Anwohnerinnen und Anwohner und den damaligen Geschäftsleuten aus dem örtlichen Umfeld wurde Maria Hissel ausnahmslos ´Mimi´ genannt und so hieß es auch nicht, „wir gehen zur ´Jakobshöhe´“, sondern man ging ´Bei Mimi´.

Maria ´Mimi´ Hissel wurde am 18. Mai 1896 geboren und war die Schwester des Vaters jener Dame, mit der ich dieser Tage die Ehre hatte, die Interviews zu führen, bei denen ich an fast alle folgenden Informationen und die Bilder gelangt bin.

Dafür bedanke ich mich ganz herzlich bei Frau Tina Lüth geb. Hissel (*1927).

Den Kontakt zu Frau Lüth hat der Herr Peter Hissel Sanitär - und Heizungsbau GmbH hergestellt, bei dem ich mich an dieser Stelle ebenfalls dafür bedanken möchte.

Der Name Hissel wird u.a. im Aachener Adressbuch von 1936 genannt und dort werden die Geschwister Hissel in der Emmichstraße 33 A geführt.





Emmichstraße hieß die Lütticher Straße während der Zeit des Nationalsozialismus von etwa 1933 bis kurz nach Kriegsende und zu diesem Thema wird es demnächst einen separaten Beitrag geben.

Wann diese Gaststätte mit Außengastronomie auf der Lütticher Straße 33a genau eröffnet worden ist, konnte nicht mit Sicherheit bestimmt werden.

Das erste Photo vom ´Restaurant Jakobshöhe´, welches ich hier mit Erlaubnis von Frau Lüth einstelle, stammt vom 9. August 1932 und zeigt eine Seitenansicht des Lokals.



Ganz links am Tisch sitzt Maria ´Mimi´ Hissel, die Wirtin und Betreiberin der Gaststätte ´Bei Mimi´. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war sie 36 Jahre alt.

Die kräftige und dunkel gekleidete Frau in der Mitte ist Frau Anna Hissel geb. Hammers (* Juli 1871). Sie war die Mutter der Wirtsfrau Maria (Mimi) und schenkte noch weiteren 15 Kindern das Leben, von denen leider „sieben der Mutter im zarten Kindesalter in die Ewigkeit voran gingen“.

 

Außerdem ist sie die Oma von Frau Tina Lüth geb. Hissel gewesen, der ich all diese Informationen verdanke.

Anna Hissel (geb. Hammers) war auch die Eigentümerin des Hauses Lütticher Straße 33a in dem sich das ´Restaurant Jakobshöhe´ befand.

Trotz ihres arbeitsreichen und erfüllten Lebens führte auch sie zeitweilig eine Gaststätte in Aachen und war eine sehr belesene Frau gewesen.

Die Anna Hissel geb. Hammers verstarb anderthalb Jahre nach obiger Aufnahme im Februar 1934 im Alter von 62 Jahren.



Nach ihrem Tod übernahm Mimi die Rolle einer Ersatzmutter für ihre Geschwister und versorgte sie mit allem, was zu dieser Zeit nötig und erhältlich gewesen war.

Der Mann oben rechts mit der Kappe war Mimis Bruder Wilhelm Hissel. Er war mit der Tochter des Bäckerfamilie Mayer liiert, die zu jener Zeit am Anfang der Lütticher Straße in dem Haus mit der Nummer 1 eine Bäckerei mit Café-Betrieb hatten. 
Kurz vor Ende des II. Weltkriegs fiel Wilhelm an der Ostfront bei einem Bombenangriff der Sowjet-Armee.


Der Hund auf dem Bild hieß ´Wolf´. Frau Tina Lüth führte ihn als junges Mädel zum Gassi gehen immer in den Kaiser-Friedrich-Park am Hangeweiher aus.

Wann die folgende Aufnahme gemacht worden ist, lässt sich nicht genau bestimmen.



Es könnten die späten 1940iger sein aber auch die frühen 1950iger.

Im Adressbuch der Stadt Aachen von 1949 befindet sich der Eintrag Maria Hissel und unter der Anschrift Lütticher Straße 33a wird ein Café aufgeführt.



Der Sonnenschirm erinnert mich an einen petticoat-ähnlichen roten Rock mit weißen Punkten, wie ihn meine Mutter in den Fünfzigern getragen hatte.

An dem Balkon über dem Erker ist ein Schild angebracht mit der Aufschrift ´Restaurant Jakobshöhe | Inh. M. Hissel´, wobei das Wort ´Jakobshöhe´ in geschwungenen Buchstaben gehalten ist.



Auf dem schwarzen Schild zwischen den Fenstern ist zu lesen `Brennerei SAUREN | Aachen 9 | Weingroßhandlung | Likörfabrik´

Ein Pärchen lächelt in die Kamera. Es scheint ein milder Tag zu sein. Die Fenster sind geöffnet, die Kleidung ist leicht. Es stehen keine Getränke auf den Tischen des Außenbereichs.

Es folgen einige Aufnahmen als Postkarten-Motive, die noch später gemacht worden sind (und sich sehr schlecht scannen ließen wegen der groben Oberflächenstruktur).

Zu jener Zeit beschäftigte die Mimi Personal für den Innen- und Gartenbereich. Die Anzahl der Tische war nicht gerade gering.



Der Bereich der Außengastronomie zog sich bis an die Grundstücksgrenze zum Bürgersteig hin. Die Bildqualität hab ich nicht besser hinbekommen.


Am rechten Bildrand hinter der Mauer befindet sich heute das Betriebsgelände der Firma Kutsch.

Der Schriftzug am Balkon ist inzwischen ein anderer wie auf dem Photo weiter oben und kann - bis auf das Wort ´Jakobshöhe´ - nur schwer entziffert werden.

Der Sonnenschirm ist wieder dabei und die Tische sind mit Tischdecken und Aschenbechern eingedeckt.

Selbstverständlich standen auch im großzügigen Innenbereich auf jedem Tisch Aschenbecher, wie es sich für eine gutbürgerliche Gaststätte gehört. Ebenso auf jedem Tisch ein kleiner Blumenstrauß...



… und ein ordentlicher Stapel Bierdeckel.

Man glaubt fast, das knallen der Würfelbecher beim Meiern zu hören oder das rascheln der Karten beim Karten kloppen.



Der Thekenbereich blitzt nur so vor Sauberkeit und Akkuratesse.


Es gab wohl keine große Gastronomie aber ein durchaus properes Angebot an kleinen Speisen wie Frikadellen oder Bockwurst mit Kartoffelsalat sowie belegte Brötchen und - zu jener Zeit noch selbstverständlich in gutbürgerlichen Lokalen – Soleier !!! 
Was das ist, muss man heute schon so einigen Zeitgenossen erst mal erklären.

Die großen Gläser auf den Theken der Kneipen und Gaststätten und deren Inhalt aus Soleiern in Lake sahen zwar – geschmeidig ausgedrückt – immer etwas arg trübselig aus, haben aber stets saulecker geschmeckt, wobei auch ich der Geschmacksrichtung Hautgout den Vorzug gebe.

Für die Kinder gab es Eis und eine kleine Auswahl an Süßigkeiten.

Die Gäste des ´Restaurants Jakobshöhe´ waren in der Regel die umliegenden Anwohnerinnen und Anwohner der Straße, die vielen Werktätigen, die es zu jener Zeit noch allerorten auf der Lütticher Straße gab, sowie mittelständische Geschäftsleute aus dem lokalem Nahbereich, von denen eine erstaunlich hohe Zahl bis zum heutigen Tag ihren Dienstleistungs- oder Geschäftsbetrieb generationsübergreifend weiterführt.

Bis heute spricht die halbe Straße in liebevollem Gedenken von dieser Gaststätte und der Mimi, darunter sogar Menschen, die dieses Café gar nicht kennen gelernt haben aber von ihren Eltern das eine oder andere Ameröllche hierzu überliefert bekommen haben.

Darunter auch immer wieder der schmunzelnde Hinweis darauf, daß die Mimi unbotmäßigen Gästen ihres Lokals auf ziemlich resolute Art und Weise zeigen konnte, wo der Barthel den Most holt.

Der Vater von Frau Tina Lüth (geb. Hissel) - von der ich all diesen schönen Geschichten erzählt bekommen habe - hatte etwa ab 1945/46 in einem hinteren Bereich dieses Haus eine Werkstatt unter dem Namen Franz Hissel, wo er den Beruf eines Stellmachers und Wagenbauers ausübte.



Er hatte für Herrn Hubert Brab vom Lebensmittelgeschäft Brab-Zimmermann (welches ich in einem anderen Artikel vorgestellt hatte) einen Handwagen hergestellt, der sich leider nicht mehr – wie kurzzeitig erzählt und von mir erhofft – auf dem Hof des Hauses der Lütticher Straße 6 befindet.

Auf der folgenden Aufnahme vom Juni 1970 ist zu erkennen, daß es leider keine Außen-Gastronomie mehr gibt.
Nur noch ganz wenige alt!-eingesessene Anwohner können sich überhaupt daran erinnern.

Auch beschäftigte Mimi kein Personal mehr. Der Schankbetrieb wurde nur noch im Innenbereich ausgeübt.




Anstelle des früheren Schilds mit der Aufschrift ´Restaurant Jakobshöhe | Inh. M. Hissel´ am Balkon, befindet sich nunmehr ein gläserner und vermutlich beleuchtbarer Schriftzug, auf dem es schlicht heißt ´Jakobshöhe´.

Das Gebäude im Hintergrund oberhalb des Daches der Gaststätte ist mit großer Wahrscheinlichkeit die Spiegelfabrik, Facetten-Schleiferei und Glasbiegerei der Aachener Spiegel-Manufactur E. Hellenthal & Cie. OHG hinter dem Jüdischen Friedhof, auf einem Grundstück, auf dem sich heute das neue Areal des alten Jüdischen Friedhofs mit den Gräbern der jüngeren Zeit befindet.

Wann die Mimi ihr Lokal für immer geschlossen hat, konnte ich bislang nicht genau heraus bekommen.

Am 28. Mai 1978 starb sie im Alter von 82 Jahren.



Zu ihrer Beisetzung zwei Tage später auf dem Aachener Westfriedhof an der Vaalser Straße sind neben ihren Angehörigen, Freunden und Bekannten, mehrere hundert Menschen erschienen, die ihr die letzte Ehre erwiesen haben.

Noch heute, - nach mehr als dreieinhalb Jahrzehnten, - zaubert die Nennung ihres Namen - ´Mimi´ Hissel - bei vielen jener Menschen auf der Lütticher Straße, die sie kannten oder sogar nur vom Hören-Sagen kennen, ein Lächeln ins Gesicht ...

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editorische Notizen | Trivia und Varia

Nach dem Tod von Maria ´Mimi´ Hissel im Mai 1978 zog ein Jahr später die Frau Tina Lüth in das Haus. Die Innenräume der Gaststätte im Erdgeschoss wurden von ihr als Wohnzimmer genutzt. Sie wohnte dort bis etwa 1992. Dann wurde das Haus verkauft.

Bis vor wenigen Jahren (ungefähr bis 2007) gab es dort noch den Betrieb GrabmaleAbendrot | Naturstein Aachen eines Herrn Emmerich.

Heute befinden sich in der früheren Gaststätte ´Jakobshöhe´ Gästezimmer und Appartements der Hotel-Pension Domicil und der äußere Schein ist eher als ein wenig trostlos zu betrachten, angesichts der Geschichte dieses Hauses und seiner vielen Geschichten ...



... wohingegen das Innere des Gebäudes einen Aufenthalt mit hohem Wohlfühl-Charakter garantiert.



Ich treffe immer mehr Menschen, die noch selbst erlebt und persönlich dafür gesorgt haben, daß die Gläser dort selten leer blieben. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, daß ich noch an Photos gelange, die diese bis heute unvergessene Schankwirtschaft unter "Volldampf" zeigen.
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Es ist erstaunlich... :-)

Bisher verliefen alle Interviews mit den Anwohnern und Geschäftsleuten der Straße nach einer anfänglichen Verwunderung über mein Anliegen, in einer Atmosphäre außergewöhnlich hoher Harmonie und Sachlichkeit.

Fällt allerdings - mitunter unvermeidlicherweise - während der Gespräche der Name einer weit über die Grenzen Aachens hinaus berüchtigten städtischen Planungs-Dezernentin, beginnen die Kruzifixe an den Wänden zu klappern, die Glühbirnen in den Fassungen zu flackern und die Luft mufft ein wenig schwefelschwanger nach dem Vorzimmer Abaddons ...

Ich habe mir für diese Situation mittlerweile einen sogenannten Nacken-Schlag-Witz ausgedacht, um unverzüglich und lachenderweise zum behandelten Kernthema zurück zu kommen.

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Zu dieser Gaststätte und weiteren Örtlichkeiten und Menschen dieser Straße gibt es noch vieles zu berichten...

Sonntag, 26. Oktober 2014

Rob Cantor | "Shia LaBeouf" Live

Heiliger BimmBamm, ... was ist denn das für ein geniales Stück Musik???

Fast zwei Millionen klicks auf YT binnen 5 Tagen ist nicht immer zwingend ein aussagekräftiges Indiz für Niveau und Qualität, - hier allerdings ist´s anders und es haut mich mal wieder von den Socken ...

Kennt den einer  ... ??? Rob Cantor 


 


Wie aus dem Nichts ist er plötzlich da: Rob Cantor.
Niemand hat ihn kommen sehen, niemand hat seine Schritte gehört. Doch auf einmal ist er da und auf einmal haben wir ein Musikvideo vor der Nase, das uns umhaut ...


Ich glaub, den merk ich mir mal für ´ne Weile!

Schöne Woche Euch ...

Samstag, 25. Oktober 2014

Das muss jetzt mal raus ...

Das Herrenzimmer - ein selbsternannter Ort für gepflegte Information - schreibt heute in seinem Artikel über das an neuer Stelle eröffnete Fachgeschäft für Tabak und erlesenen Brände  
von Schneiderwind

" ...findet man im Warenangebot weder Zigaretten noch Tabak zum Drehen und auch keine E-Zigaretten. Von billigen Fuseln ganz abgesehen. Daran könnte man gewiss gut verdienen, aber bei Schneiderwind setzt man auf Qualität, Genuss und Kultur. ..."

So, so ... nun pissen sich die Raucher in einem Anfall von elitären Größenwahn schon gegenseitig ans Knie ...

Also diesen Blödsinn mit den E-Zigaretten hab ich sowieso nie verstanden und Alkohol trinke ich schon seit einem knappen viertel Jahrhundert nicht mehr aber für meine gelegentliche(!) Hingabe zum rauchen einer guten Zigarette, gab es dort immer die beste Auswahl an selbigen. 

Auch die eine oder andere gute Zigarre hab ich mir dort gekauft oder als Geschenk verpacken lassen.

Damit ist nun Schluss, wie man mir auch telefonisch bestätigte.

Pardon, - aber damit ist nun auch bei mir Schluss mit Euch und mit dem obigen Spruch und euren lächerlichen pseudoelitären Attitüden seid ihr bei mir unten durch ...

Das Herrenzimmer fliegt hier aus dem BlogRoll wieder raus und auf Open-Streetmap wird mein Eintrag zum neuen Geschäft wieder gelöscht. 

Tragt euch mit eurer Blasiertheit gefälligst selbst bei OSM ein und meine drei oder vier Schachteln Kippen im Jahr kauf ich mir demnächst voller unkultiviertem Stolz ab sofort wieder beim nächstbesten Prekariats-Stützpunkt in meiner Nähe oder auf der Tanke.
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Dazu passt! Kreativität | Eigenschaft der Blender und Einfaltslosen 

Und wo führt´s hin?
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Die Bauarbeiten auf der Lütticher Straße gehen zügig voran ...

Lütticher Straße 25 am 13. September 2014 um 13:21 Uhr



 Nur sechs Wochen später ...

Lütticher Straße 25 am 25. Oktober 2014 um 13:46 Uhr

... und ein paar Bäume sind auch schon wieder verschwunden.


Also ich weiß nicht ...! Irgendwie gefällt mir das nicht!
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Heute irgendwann wird die Uhr umgestellt? Oder so ...



Bis dann ...

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Keine Ahnung ...

... aber das folgende wollte ich mal wieder ´vernetzwerken´ bevor mir der Kragen und mein virtueller Zettelkasten platzt, beziehungsweise ich die Tage mal was über die wunderbare Tante Mimi aus meiner Lü´ veröffentlichen werde.

Vom Teppichhändler Trithemius gibt es Schmocks Trendkompass Oktober – Pröll mit einen schönen Zitat eines Baltasar Gracian aus dem Handorakel und der Kunst der Weltklugheit.

Das schmort auch schon lange auf der Platte und fängt an, zu müffeln

Massenverblödung | Das gebildete Deutschland schafft sich ab (die Leserbriefe sind - wie immer - am besten) 

Dazu passt Wenn der Putz in die Tofu-Stulle rieselt

Irgendwie betrachte ich die Amis schon lange als ein durch und durch krankes Volk von Egomanen und Psychopathen aber nicht gerade all zu selten schlüpft durch diesen nationalen Irrsinn einer durch, der meinen Respekt verdient.

Multitasking | Da könnte ich auch gleich Ghettoblaster im Seminar erlauben (auch hier! Die Leser-Kommentare !!!)

Stromae!!! Immer noch einer der Besten der letzten Jahre aus dem belgischen Musik-Geschäft.

Von Stromae lernen





Braucht jemand mal eine Bauchtänzerin? Weil, Elfie macht das gut ...!!! 

Hat sie letztens in Lüttich auf dem Lichterfest wieder zur Begeisterung der Menschen unter Beweis gestellt.

So! Hab ich was vergessen, in die Tonne zu kloppen?
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Ach ja, was echt Schönes noch sollte auch sein. Gefunden im Feuilleton der Frankfurter Allgemeine Abteilung Netzfundstücke

Ein genialer Kurzfilm von Yuri Ancarani ...



... ursprünglich erschienen auf dem mir bis heute unbekannten NOWNESS, daß ab sofort zu meinen Top-Favoriten gehört.

NOWNESS is an interactive luxury lifestyle website launched in February 2010 and is a brand of LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton.

Man gönnt sich ja sonst nichts ...

Samstag, 18. Oktober 2014

Die Lütticher Straße | 4. Teil

In diesem Artikel...


Die Lütticher Straße | Von der Schanz bis Jüdischen Friedhof | Teil 1

... hatte ich das Thema mit den Aachener Straßenbahn-Wagons, die die Amerikaner mit Sprengstoff beluden und von verschiedenen Stellen aus in die Stadt rollen ließen, ja schon mal angerissen.

Ich zitiere noch einmal aus der Wiki:

Bei der Einnahme Aachens durch alliierte Truppen wurden mit Sprengstoff beladene Straßenbahnwagen auf den abschüssigen Strecken von Süden her in die Innenstadt als rollende Bomben benutzt, die allerdings vergleichsweise wenig Schaden anrichteten.

Quelle: Straßenbahn Aachen | Zweiter Weltkrieg und Wiederaufbau
 
 Im meinem Text vom 14. September 2014 haben sich einige Fehler und Falschangaben bezüglich der näheren Umstände und Örtlichkeiten eingeschlichen, ...
 
Die Amis erbeuteten am 14. Oktober 1944 mehrere Wagons der Aachener Straßenbahnbetriebe, die sie in Aachen-Express V13 umbenannten.

An drei Stellen nahe der deutsch/belgischen Grenze packten sie diese mit von der Wehrmacht zurückgelassenen Flak-Granaten und eigenen Sprengsätzen voll und versuchten, die Wagons dann - mit Zeitzündern scharf gemacht - in die Stadt rollen zu lassen, wo sie detonieren sollten.

Der eine (Linie 13 vom Bismarkturm kommend) ist im Bereich Robert-Schuman-Straße Ecke Kalverbenden umgestürzt und explodiert, der zweite ist am Krugenofen aus der Bahn gekippt und nichts ist passiert und der dritte Wagon hat es auch nicht bis in die Stadt geschafft.

Das Teil kam von Höhe Waldschänke und ist an der Kreuzung Amsterdamer Ring/Lütticher Straße umgekippt und ziemlich unspektakulär still und leise liegen geblieben. Schwein gehabt …

Gut nachzulesen in dem Buch ´Die Amis sind da!´ von Charles Whiting und Wolfgang Trees.
 
... die ich nun mit Hilfe vom Apotheker Herrn Reiner Bimmermann berichtigen konnte.
 
Von ihm stammt auch der folgende Text und das Bild, deren Veröffentlichung er mir an dieser Stelle gestattet hat.



Text und Bild sind auch im Strassenbahn-Magazin Heft 11/14 erschienen.
 
Zu sehen ist, wie die Amerikaner den Betriebswagen Bw 507 der Linie 17 auf der Lütticher Straße an der deutsch-belgischen Grenze bei Bildchen (kurz vor Kelmis/Altenberg) mit Sprengstoff und Munition beladen.
 
Den Wagon verbrachten sie von dort bergauf mit Hilfe eines LKW oder Jeep an die Stelle, wo es wieder hinab in den Aachener Talkessel geht, nämlich an die Waldschenke.
 
 
Hier ein paar kleine historische Aufnahmen aus der Gegend rund um die Waldschenke, aus einem der Bildbände vom Herrn Bimmermann.
 
Bild 1 (Straßenbahn vor der Waldschenke 1955)
 
Bild 2 (Weiche "Osterweg" 1958)


Bild 3 (Endhaltestelle Bildchen Grenze 1956)

Umgekippt, explodiert und ausgebrannt ist dieser Betriebswagen dann bereits nach wenigen hundert Metern an der Ausweiche Grundhaus
 
Sozusagen direkt vor meiner heutigen Haustür. 
 
 
Nach Kriegsende haben in und an dem ausgebrannten Wagen noch Kinder gespielt.
 
Ich erwarte in den nächsten Tagen noch einiges an Bildmaterial zu diversen Themenbereichen was die Lütticher Straße betrifft und hoffe, auf spektakuläre Aufnahmen zu stoßen...

Freitag, 17. Oktober 2014

Europas Hauptstädte der Geisteskrankheiten ...

... sind Lissabon und Berlin.

Während in Portugal landesweit Menschen kurz vor dem Hungertod stehen (die Beweisquellen sind mit wenigen Klicks zu eruieren) oder wegen der Unerträglichkeit des Seins immer häufiger den Freitod wählen, zelebriert sich eine dekadent-intrigante Meute der sozialen Ignoranz durch die Fresstempel einer immer hässlicher werdenden Stadt.

So schmeckt Lissabon | Neues Food-Konzept in Lissabons Hauptstadt

Ich wünsche Euch den Erstickungstod ...

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Wenn ein Ex-Pirat für den Springer-Verlag schreibt, ließe dies vermuten, daß nicht viel Gescheites bei herauskommen könne?!

Hier ist es anders...

Berlin ist ein klassischer "failed state" 

Zuscheißen...!  Alle Beide!!! Und lasst noch einen großen Haufen für die Aachener Nomenklatura übrig.
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Und weil aller guten Dinge Drei sind, noch ein Hinweis auf jemanden aus dem Herrenzimmer, der gerne auf das asozialste Netzwerk der Welt kacken würde aber nicht weiß, wie man die Hose runter lässt ...

Es sind auch Kinder bei Facebook

Pfui Deibel!

Angepisst am Morgen grüßt der Grantler aus der Hauptstadt der Printen.


Donnerstag, 16. Oktober 2014

Mmmh ...! Lecker ...! Foodporn ...!

In der Kaschemme möcht´ ich auch mal dinieren!




diverxo irgendwo in Madrid | Ab 145, 00 € geht´s los ...

Mahlzeit

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Kaugummi, Kippen und Kondome ... | Teil 7

Na wenn das kein schöner Anblick ist...

Akkurat an der Wand befestigt und nicht mit dem sonst üblichen Dreck besudelt, hängen sie die meiste Zeit des Tages völlig entspannt in der Sonne rum.


Auch nicht von Feuerzeug-Kokeleien und übermäßigen Schmier-Attacken gezeichnet oder von Polen-Böllern malträtiert.

Und mit ´EREMIT SALE` kann ich leben...


Das nenn´ ich einen glücklichen Vierer am Öcher Hotmannspief auf der Alexanderstraße 2.

Die vom City-Grill umme Ecke scheinen sich echt darum zu kümmern, was bei der häufig genug sozial inkompatiblen Mischpoke im Nahbereich kein leichtes Unterfangen sein dürfte.
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Da sieht das hier in der Borngasse schon ganz anders aus.

Der rechte Kaugummiautomat hat sich vor lauter Tristesse selbst weg gekaut und seinen Müll dabei liegen gelassen ...


... während selbst 16 oder 17 planlos in die Wand gebohrten Dübel-Löcher nicht verhindern konnten, daß Frau Kippenkasten sich - sozusagen aus dem letzten Loch rauchend  - vollständig entleibt hat.


Nicht mal Ducal Rouge gibt es. Wie uninspirierend dies doch ist ...
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´Die Stadt gehört wieder mir´ ?
Kein Problem! Kannst´e geschenkt haben!


 - - - I AM SICK OF WINTER - - -
Das ist in Aachen keine Kunst, Blödmann ...
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Apropos Kunst !!! Die drei K´s, wie Kaugummi, Kippen und Kondome...

Hab jetzt noch ein viertes K entdeckt. Kunst wie KUNST aus dem Automaten.



 Gefunden am Fadenkreuz in der Schützenstraße.



Schützenstraße??? Fadenkreuz??? Manchmal scheint mir die intellektuelle Kreativität mancher Zeitgenossen ein wenig ulkig zu sein ...
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Ich freu´ mich auf den Frühling. Dann gehören 16 Jahre urbaner Nackenschläge-Terror des schwarz-grünen Dilettanten-Stadls in dieser Stadt hoffentlich der Vergangenheit an.



Bis die Tage 

Euer Tano

Montag, 6. Oktober 2014

Die Lütticher Straße | 3. Teil

Wie bereits angesagt, diesmal u.a. etwas über die letzten Tage des Straßenbahnverkehrs auf der Lütticher Straße.

Als erstes zwei Fundstücke aus dem Internet, die die Örtlichkeiten kurz nach dem Krieg und in den 50igern veranschaulichen sollen.

Der Kreuzungsbereich Löhergraben Ecke Jakobstraße, wo man den Straßenbahnverlauf zur Kirche St. Jakob erkennt und von wo aus dieser Verlauf dann zur Schanz Ecke Lütticher Straße Richtung Belgien führt. 
(Gefunden im Archiv des analogen Alltags des WDR)

Und so sieht es dort heute aus:

Kreuzung Löhergraben | Jakobstraße | Karlsgraben

Die Litfaßsäule und das kleine Mädchen stehen nicht mehr dort und eine Straßenbahn fährt auch schon lange nicht mehr in Aachen.
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Der zweite Fund aus dem Internet zeigt den Kreuzungsbereich Schanz Ecke Lütticher Straße in die andere Richtung zur Kirche St. Jakob und dem Stadtzentrum hin im August 1945.

Hier die Aufnahme (das erste Bild) und neben weiteren Bildern aus jener Zeit, ist ein Bericht des britischen Soldaten und Agenten des Intelligence Service Dr. John Francken zu lesen. 
(Gefunden auf Aachener Geschichtsverein e.V. (AGV)

Das selbe Bild noch einmal (an vierter Stelle) mit einem anderen Bericht dazu.

Von rechts kommt der Boxgraben und nach links führt die Straße An der Schanz zur Vaalser Straße, von wo aus es in die knapp drei Kilometer entfernten Niederlande geht. Der Blick geht Richtung Innenstadt und der Kirche St. Jakob.

Der Photograph stand in etwa an der Stelle, wo kurze Zeit später das Lebensmittelgeschäft Brab-Zimmermann (heute Klüttermann-Markisen) eröffnete, welches ich in diesem Artikel vorgestellt hatte.

Zu sehen ist die zerstörte und von amerikanischen Pioniereinheiten notdürftig mit Holzplanken reparierte Straßenbrücke Schanz, wo drunter der Bahnverkehr durchlief und heute die Regionalzüge wieder verkehren.

Auf einem Schild steht in englisch Sprache, "When better Bridges are built - CO. "C" - ´will build them"

Eine Straßenbahn fuhr zu dem Zeitpunkt der Aufnahme im August 1945 aus betriebstechnischen und statischen Gründen dort nicht.


Heute sieht es dort so aus. 

Kreuzung An der Schanz | Lütticher Straße | Boxgraben | Jakobstraße



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Die folgende Aufnahme hat mir wieder der Herr Optikermeister F. Zimmermann zur Verfügung gestellt und wird hier erstmals öffentlich gezeigt. Ich bedanke mich für die freundliche Unterstützung beim Herrn Zimmermann dafür.


Auf dem Bild zu sehen ist ein Waggon der Aachener Straßenbahn der Linie 27. Der Blick geht von der Schanz auf die rechte Straßenseite der Lütticher Straße in Richtung Franziskus-Hospital.

Das Photo muss nach der steinernen Wiederherstellung der durch Kriegseinwirkungen zerstörten Schanz-Brücke aufgenommen worden sein, weil über das von den Amerikanern errichtete Holzprovisorium keine Straßenbahn fahren konnte. 

Der Optikermeister Herr Zimmermann vermutet, daß diese Aufnahme im Jahr 1948 gemacht worden ist.

Technische Details zu dem Straßenbahn-Waggon und einen eindeutigen Zeitraum dieser Aufnahme wird der Herr Bimmermann von der Pauls-Apotheke recherchieren.

Das erste Gebäude von rechts ist die Hausnummer 6, wo sich das Lebensmittelgeschäft Brab-Zimmermann befand, welches ich im Artikel Die Lütticher Straße | 2. Teil  ausführlich vorgestellt habe.

Hier noch mal zum anschauen eine Aufnahme aus 1947.



Das Grundstück rechts daneben ist noch immer unbebaut, während die Wiederherstellung des linken Nachbarhauses mit der Nummer 8 seiner Vollendung entgegen schaut.

An der rechten Seitenwand des Hauses ist eine Werbefläche für eine SHELL-Tankstelle in 500 Metern Entfernung zu erkennen. Hierbei kann es sich nur um die Tankstelle an der Lütticher Straße Ecke Moreller Weg handeln, wo in den 80iger Jahre die Bäckerei Toeller Brot und Kuchen verkauft hatte.


Ein (vermutlich) amerikanischer Soldat regelt den Verkehr. 

Auf dem rechten Bürgersteig parkt neben dem Verteilerkasten der Opel Rekord, der auch auf der Aufnahme im 2. Teil hinter dem Pferdegespann zu sehen ist.

So sieht dieser Abschnitt heute aus.

 
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Auf der Seite Aachener Stadtgeschichte | Sammlung Mühlenberg ist zum Kreuzungsbereich Löhergraben | Jakobstraße| Karlsgraben ein weiteres historisches Bild zu sehen, über dessen Aufnahmeort einige Zeit Unklarheiten herrschte, bis Herr Bimmermann (wer sonst) für Klarheit sorgte.

Bau der Verbindungskurve Löhergraben Ecke Jakobstraße im Herbst 1952 

Darauf ist die Straßenbahn-Linie 27 zu erkennen, wie sie vom Markt kommend, auf die Jakobstraße zu fährt. 
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Es fällt auf, wie stark die Erinnerungen von Anwohnern und Geschäftsleuten schwanken, wenn sie bei den Interviews von mir gefragt werden, wann der Straßenbahnverkehr auf der Lütticher Straße eingestellt worden ist. Das sind erstaunliche Zeitspannen, die man zu hören bekommt ...

Für fundierte und amtliche Aussagen hierzu gibt es in Aachen zwei kompetente Ansprechpartner. 

Das sind zum einem die Verwalter des historischen Archivs der ASEAG und zweitens der Apotheker Herr Bimmermann

Der Einfachheit halber verweist die ASEAG mittlerweile gleich an Herrn Bimmermann weiter, dessen Kenntnisse, Faktensammlung, Daten und Quellen zur Geschichte der Aachener Straßenbahn phänomenal sind. 

Ich möchte mich an dieser Stelle für seine Unterstützung bedanken und stelle hier einige Links zu seinem Projekt vor.


"Reiner Bimmermann ist Gründungsmitglied des Förderkreises für historische Aachener Technik, der eine eigene Schriftenreihe über Fahrzeuge und Linien der Aachener Straßenbahn herausgibt."

Hier können einige Bilder aus seiner umfangreichen Sammlung historischer Photos angeschaut werden.

Auch auf der Wikipedia-Seite zur Straßenbahn Aachen wird er als mittlerweile führende Quelle genannt.

1895 oder 1897 ging die erste elektrisch betriebene Linie über die Lütticher Straße in Betrieb und führte von der Theaterstraße über Hauptbahnhof und Stromgasse zur  Schanz, dem Preussweg und der Waldschenke.

1933 verkehrten die Linie 1, die 11 (von Kelmis/Altenberg) und die 21 vom Grundhaus über Preussweg und Lütticher Straße. Im Laufe der Jahre gab es immer wieder Liniennetz-Reformen, die auch diverse Neunummerierungen mit sich brachten.

In der Zeit nach 1933 wurde die Lütticher Straße von 3 Linien befahren, deren Streckenverläufe, Abschnitte und Zielpunkte in verschiedenen Jahren verkürzt oder eingestellt worden sind.

Das waren die Linien 7 | 17 und die Linie 27, deren Verläufe erst vom Aachener Hauptbahnhof über den Kaiserplatz zum Markt führten, um ab dem Kreuzungsbereich Jakobstraße Ecke Löhergraben (weiter oben abgebildet) in Richtung Schanz weiter zu fahren (ebenfalls weiter oben abgebildet), wo dann der Rest der Strecke auf der Lütticher Straße verlief.

Auf der Lütticher Straße wurden u.a. die Haltepunkte Jüdischer Friedhof, Preußweg, Grundhaus, Waldschenke und Grenze Bildchen (an der Grenze zu Belgien) angefahren. 

Vom 26. März 1907 bis 1944 fuhr die Linie 27 sogar über Bildchen Grenze hinaus bis ins belgische Kelmis/Altenberg, wobei Altenberg der frühere deutsche Name für Kelmis war.

1944 wurde der Abschnitt Kelmis (B) nach Bildchen Grenze durch Kriegseinwirkungen zerstört und nicht wieder aufgebaut. Das unterste Bild hier, zeigt eine Aufnahme von 1956 an jener Stelle an der Grenze.

Am 28. August 1958 fanden die letzten Fahrten der Linien 17 und 27 auf dem Abschnitt zwischen Preusweg und Bildchen Grenze statt. Der Wendepunkt muss dann im Bereich Lütticher Straße - Amsterdamer Ring und Hohenstaufenallee gelegen haben.

Heute sieht es dort so aus.


Am 21. Juni 1961 wurde dann auch endgültig die Verbindung der Linie 7 (und der 2) über die Lütticher Straße bis Preusweg eingestellt.

Durchaus möglich, daß ich an weitere Bilder aus dieser Zeit drankomme !!!

Editorische Notiz: Die Schreibweise Preußweg, Preussweg oder Preusweg wechselte im Laufe der Jahrzehnte immer wieder mal. Das klamüser ich hier aber nicht auseinander ...
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Zu dem ´Napoleonischen Sommerpfad´ schreib ich ein anderes mal was.




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Es gibt übrigens eine Kommentarfunktion unter jedem Artikel ... ;-)! 

Und ein Kontaktformular für Anmerkungen, Berichtigungen und/oder Zuwendungen von Bildern oder Filmmaterial aus den alten Zeiten befindet sich in der rechten BlogRoll-Spalte.

Vielen Dank für das bisherige Interesse und die vielen positiven Rückmeldung auf der Straße und in den Geschäften.


Der Tano

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Die Lütticher Straße | 2. Teil

War ja irgendwie schon vorher abzusehen ...!

Fang ich einmal an damit, - komm´ ich nicht mehr los davon … :-)

War zu Beginn meiner Recherchen über diese Straße kaum etwas ins Netz der Informations-Abschöpfung von Anwohnern und Geschäftsleuten gelangt, strömten nur wenige Tage später die Erinnerungen mannigfach.

Es ist, als ob man mit einem Schöpf-Köcher an der Oberfläche der einzelnen Gedächtnisse einen Strudel ausgelöst hätte, der nun in den Tiefen dieser Gedächtnisse einen kollektiven Auftrieb längst vergessener Erinnerungen zu Tage bringt.

Dadurch wir die Webdichte des Teppichs der Erinnerungen zu den Geschichten dieser Straße natürlich immer enger geknüpft.

Das ist sehr erfreulich und jetzt erinnern sich einige Bürgerinnen und Bürger dieser Straße auch wieder daran, daß in den Tiefen ihrer Schränke und Keller auch noch Photos und andere Pretiosen zur Geschichte ihrer Straße schlummern (müssten).

Nun beginnen sie zu suchen ...

Dafür bedanke ich mich schon mal ganz herzlich bei allen.

Dies macht natürlich auch einen umfangreichen Nachtrag zum Teil 1 erforderlich.


DieLütticher Straße | Von der Schanz bis Jüdischen Friedhof | Teil 1



Außerdem werde ich demnächst das Konzept meiner Vorgehensweise neu überdenken und zukünftig nicht mehr ganze Straßenabschnitte bearbeiten, sondern einzelne Teilabschnitte, Gebäude, Einrichtungen unterschiedlichster Arten sowie Personen oder Familien vorstellen, die damit verbunden sind.


Zu etlichem, was ich im 1. Teil geschrieben habe, gibt es mittlerweile Ergänzungen, detailliertere Hintergrundinformationen und viele kleine Ameröllchen sowie noch nie veröffentlichte Photo-Aufnahmen aus vergangenen Zeiten.
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Wo heute die Firma Klüttermann Markisen ihren Qualitätsbetrieb im Haus mit der Nummer 6 hat, befand sich bis November 1990 das Lebensmittelgeschäft der Familie Brab-Zimmermann.



Es gibt von diesem Haus und dem Geschäft wunderbares Bildmaterial aus den Jahren 1947, den 60´igern, aus 1962 und vom letzten Verkaufstag am 11. November 1990, das mir freundlicherweise vom Sohn der Familie Brab-Zimmermann - dem Optiker Franz Zimmermann - zur Veröffentlichung überlassen worden ist.


Ich bedanke mich dafür. Sämtliche Eigentums- und Verwertungsrechte verbleiben selbstverständlich bei ihm.


Das folgende Bild ist 1947 aufgenommen worden. Das Gebäude Lütticher Straße 6 war eines der ersten, welches von den Großeltern, den Eltern und Angehörigen wieder aufgebaut worden war.

Links und rechts vom Haus standen nur noch die Reste der Ruinen aus den Kämpfen des II.Weltkrieges.

Die Toreinfahrt ist heute noch immer die selbe, wie damals.




In den weitläufigen Hof- und Gartenbereichen dieses und der angrenzenden Häuser, die sich bis zu den Hausrückwänden an der Straße Im Johannisthal erstreckten, gab es früher Wiesenflächen und Weiden, auf denen Kühe und Kleinvieh gehalten wurden.


Es folgt eine Aufnahme aus den Sechzigern, die zwar nicht in der Lütticher Straße gemacht worden ist aber in nahem Bezug zu ihr steht.


Darauf zu sehen sind ein Gespann mit Kutsche und dem Kaltblüter ´Hans´ auf dem Gelände einer zu jener Zeit großzügig angelegten Gemüseanbaufläche an der Bleiberger Straße. Im Hintergrund ist die Güter-Bahntrasse der Montzenroute von Aachen durch den Gemmenicher Tunnel nach dem belgischen Montzen-Gare zu erkennen.

Auf diesem Gelände unterhielt die Familie Zimmermann einen Gemüseanbau. Die dort geerntete Ware wurde im Geschäft auf der Lütticher Straße verkauft. Heute sind diese Flächen weitestgehend bebaut.

Mit diesem Pferdegespann haben die Großeltern und Eltern der Zimmermanns nach dem Krieg auch die Trümmer aus der Lütticher Straße weg transportiert.

Die Automarke im Hintergrund kann ich nicht sicher bestimmen. Vielleicht ein alter Opel Rekord?


Das nächste Bild zeigt das Ladeninnere und den Verkaufstresen im Lebensmittelgeschäft, wo es auch Haushaltswaren aller Art zu kaufen gab.

Eines der schönsten Bilder aus der Sammlung zu diesem Laden, welches 1962 nach einer umfangreichen Modernisierung des Verkaufsraums aufgenommen worden ist.



Die vielen Blumen auf der Theke und auf dem Regal scheinen Gratulations-Presente zu sein und eine zu Recht stolze Frau Brab-Zimmermann überschaut das Geschäft.

Rechts hinter dem Tresen mit dem Spielzeug-LKW und offenem Schnürsenkel ist der etwa vier Jahre alte Sohn zu sehen, der heute ein gut sortiertes und qualifiziert geführtes Optiker-Fachgeschäft in Aachen leitet.


Am 11. November 1990 war dann leider der letzte Verkaufstag in diesem seit 40 Jahren bestehenden Kaufmannsladen.



Hinter der Verkaufstheke bedient Herr Brab-Zimmermann senior die Kunden. Viele der heutigen Anwohner der Straße können sich noch gut an ihn erinnern. Er war ein beliebter Mann und hatte häufig einen lustigen Spruch für seine Kundschaft drauf.

Eine Außenaufnahme des Geschäfts vom 11. November 1990 mit einer Auswahl des reichhaltigen Warenangebots des Obst- und Gemüsehändlers.


Auf den beiden roten Tafeln die im Schaufenster hängen, steht geschrieben:

"Danke sagen wir allen Kunden für 40 Jahre Freundschaft und Vertrauen" 
und
"Wir schließen am 11.11 1990"

Damit verschwand wieder ein gutes Stück des alten Aachen und soll mit diesem Aufsatz unvergessen bleiben.

Anschließend befand sich in den Räumen von 1991 bis 1996 ein Blumengeschäft. 

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Ach ja! Ich hab den Baummenschen wiedergefunden.

 

Er wurde mit äußerster Vorsicht unter Anleitung des für diesen Straßenabschnitt zuständigen Baupoliers - auch Schachtmeister genannt - von seinem Sockel entfernt und an einem hoffentlich sicheren Ort verbracht.

Diese Auskunft habe ich vom Herrn Goldhausen erhalten, der sozusagen einer der vielen lebenden „Gedächtnisse“ dieser Straße ist.

Über den weiteren Verbleib der Schnitzarbeit war bis dato nichts sicher bekannt. Nun hab ich ihn wiedergefunden ...

Er befindet sich in einem Haus nahe seines früheren Standortes in den Räumen eines Geschäftsbetriebs und es bleibt zu hoffen, daß er nach Abschluss der Bauarbeiten der geneigten Öffentlichkeit wieder zugänglich oder sichtbar gemacht wird.

Was steckt eigentlich hinter der Geschichte zu diesem Baumstumpen?
 
Irgendwann im Sommer 2005 wurde dieser Baum nach einem Unfallschaden aus Sicherheitsgründen von den Aachener Stadtbetrieben gefällt. Ein etwa 1 bis 1,50 Meter hoher Stumpf blieb stehen.

Es war in der Adventszeit 2005 als dieser Stumpf des Baumes plötzlich von einer Plane umgeben war, hinter der sich ein künstlerisch begabter Anwohner und Geschäftsmann der Straße, dran zu schaffen machte.

Nachfragen der Anwohner nach dem Treiben hinter der Plane beantwortet der bei vielen bekannte Mann mit „Das wird eine Überraschung.“

Da seine Tun ohne Genehmigung der städtischen Behörden stattfand, bat er auch darum, niemandem zu sagen, wer er sei.
 
Kurz vor Weihnachten 2005 waren seine Arbeiten beendet, die Plane wurde weggezogen und die verblüfften Anwohner und Geschäftsleute waren von dem Werk begeistert.

Nur etwa ein gutes Jahr später zog der „unbekannte“ Holzschnitt-Künstler aus der Lütticher Straße weg.

Viele Bewohner der Straße würden sich sehr darüber freuen, wenn dieser Baummensch wieder öffentlich sichtbar wäre.

 
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Wie mache ich hier weiter? Im nächsten Teil werde ich etwas zu den letzten Tagen der Straßenbahn auf der Lütticher Straße schreiben und ein paar Worte zu dem napoleonischen Sommerweg aus der Zeit des napoleonischen Kaiserreichs in Aachen verlieren, der auf einem kleinen Abschnitt der Straße noch immer vorhanden ist aber dessen Herkunft und Bedeutung fast völlig in Vergessenheit geraten sind.

Auch dieses Relikt aus der Aachener Geschichte wird vermutlich bald verschwinden ...